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SALVADOR DA BAHIA
Salvador
da Bahia ist die drittgrößte Stadt Brasiliens, nach
São Paulo und Rio de Janeiro. Der historische Name der
Küstenstadt lautet São Salvador da Bahia de Todos
os Santos (Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen),
da sie an der Allerheiligenbucht liegt. Salvador hat rund 2,9
Millionen Einwohner,[1] ist die Hauptstadt des nordöstlichen
Bundesstaates Bahia und war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Der
Name Bahia war bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch
als Alias für die Stadt gebräuchlich. Salvador ist Erzbischofssitz
(Erzbistum São Salvador da Bahia), hat zwei Universitäten,
ein Kakao-Institut, einen zoologischen und einen botanischen Garten.
Es ist ein international anerkanntes Handels- und Wirtschaftszentrum
mit Erdölraffinerie, Baumwoll-, Tabak-, Kakaoverarbeitung
sowie eine Zuckerraffinerie. Salvador ist auf verschiedenen Ebenen
einer Bergkette gebaut, welche die Stadt in eine Oberstadt (cidade
alta) und in eine 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt (cidade
baixa) teilen. Um vom einen Teil in den anderen zu gelangen, kann
man den Aufzug Lacerda, die Standseilbahn Plano Inclinado Gonçalves
oder einfach eine der vielen Buslinien nutzen.
OLODUM
olodum
ist eine brasilianische Musikgruppe, die am Karneval von Salvador
da Bahia teilnimmt und in einer kleineren Formation Bühnenauftritte
bestreitet. Der Name ist entlehnt aus der Religion der Yoruba
in Nigeria. Die Band hat mehrere erfolgreiche CDs aufgenommen.
Olodum ist darüber hinaus ein Kulturverein, der sich für
die afrobrasilianische Kultur und soziale Belange der schwarzen
Bevölkerung Salvadors engagiert.
Olodum
ist eine der bekanntesten Gruppen des Sambareggae und hat diese
Musik maßgeblich geprägt. Die Musikgruppe wurde 1979
als bloco afro nach dem Vorbild von Ilê Aiyê gegründet
und verband die Musik von Anfang an mit politischen Forderungen
nach Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung. Das Kulturzentrum
von Olodum liegt direkt am Pelourinho, dem historischen Zentrum
der Altstadt von Salvador.
Pelourinho
In Salvador
kam der größte Teil der rund fünf Millionen Afrikaner
an, die von den Portugiesen aus Westafrika in die Sklaverei verschleppt
wurden. Sie wurden auf dem zentralen Sklavenmarkt Salvadors, dem
Pelourinho (deutsch: Pranger) verkauft. Der Pelourinho
war Teil des historischen Sklavenmarktes in Salvador. Dort wurden
Sklaven während der Kolonialzeit ausgepeitscht. Am Pelourinho
kann man die Kirche Igreja do Rosário dos Pretos (Kirche
vom Rosenkranz der Schwarzen) besichtigen. Seinerzeit durften
die Sklaven nur hier dem Gottesdienst beiwohnen.
Mit Ende
der Sklaverei, 1888, zog dieser Platz in Salvador Künstler
aller Sparten an: Filmemacher, Musiker, Maler und Schriftsteller.
So wurde der Pelourinho ein bis heute sehr angesehenes kulturelles
Zentrum.
Lange
Zeit aber verfiel der Pelourinho und verkam zu einer innerstädtischen
Favela. Menschen hausten dort unter den unwürdigsten Bedingungen.
Ab 1991 wurden sie in Neubausiedlungen außerhalb Salvadors
umgesiedelt und der Pelourinho mit seinen umgebenden Straßen
von Grund auf saniert. Es hielten wieder Pensionen, Restaurants
und Tanz- und Capoeiraschulen Einzug. Seitdem zieht es viele in-
und ausländische Touristen nach Salvador. Seine Rekonstruktion
konnte nicht detailgetreu durchgeführt werden, weil viele
Häuser zu Ruinen verfallen waren und von denen lediglich
die Fassade gerettet werden konnte.
Eines
der interessantesten Gebäude des Pelourinho, welches stark
in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Medizinische Fakultät
von Bahia (Faculdade de medicina da Bahia). Das Gründungsdatum
dieses Gebäudes geht bis in die Kolonialzeit Brasiliens zurück.
Hier lebten die Jesuiten, bis sie im 18. Jahrhundert Brasilien
verlassen mussten. Nachdem dort ein Militärkrankenhaus funktioniert
hatte, wurde 1808 die Chirurgische Schule eingerichtet. Die Fakultät
wurde gleich zweimal durch ein Großfeuer größtenteils
zerstört. Das erste Mal 1905, als die Bibliothek mit ihren
22.000 Bänden vollständig ausbrannte und das zweite
Mal, als 1951 der besonders schöne Pavillon niederbrannte.
Lange Jahre war Letzterer dem Verfall preisgegeben, bis auch er
im Zuge der Gesamtrekonstruktion des Pelourinho wieder aufgebaut
wurde.
Der Pelourinho
beherbergt seit einigen Jahren das wichtige Straßenkinderprojekt
Projeto Axé. Dort werden bis zu 1500 Kinder vom Kindergarten
bis zur Berufsausbildung betreut. Viele Kinder erhalten dort neben
Ausbildung und Schule eine warme Mahlzeit. Besondere Freude bereitet
den für Musik engagierten Kindern und Jugendlichen das Spielen
in einer zum Projekt zählenden Percussionbands oder Capoeiragruppen.
Aber auch viele Gruppen des Sambareggae wie Olodum oder Ilê
Aiyê sind hier mit ihren Projekten vertreten.

Capoeira
Capoeira
ist eine brasilianische Kampfkunst bzw. ein Kampftanz, dessen
Ursprung auf den afrikanischen NíGolo (Zebratanz)
zurückgeführt wird. Capoeira wurde während der
Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven
praktiziert und weiterentwickelt. Es wird heutzutage zwischen
zwei Hauptrichtungen unterschieden: Dem alten Capoeira
Angola und dem modernen Capoeira Regional. Die afrikanischen
Elemente verschmolzen im Capoeira Regional im Laufe der Jahre
zusätzlich mit Einflüssen anderer Kampfkünste wie
zum Beispiel Ringen, Jiu Jitsu und Wushu. Zu dieser Zeit (etwa
1970er Jahre) entwickelten sich auch viele der heute charakteristischen
Akrobatiken, wie hohe, gedrehte Sprünge oder Salti; auch
wenn viele der bodennahen Akrobatiken zumindest in der Tendenz
bereits vorhanden waren.
Inhaltlich
ist Capoeira von drei Ebenen geprägt: dem Kampf, der Musik
und der Roda (portugiesisch Kreis) als
gesellschaftlichem Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Die Kampftechniken
selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus; es gibt
viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und Akrobatik. Traditionell
wird zu den Kämpfen Musik gespielt, diese folgt einem Endlos-Rhythmus
in verschiedenen Variationen; dazu werden passende, häufig
noch aus der Zeit der Sklaverei stammende Lieder gesungen.
Die Kämpfe
finden immer in einer Roda statt. Diese Roda besteht aus einem
Kreis von Capoeiristas und den Musikern. Immer zwei Capoeiristas
kämpfen in der Roda, wobei in der Capoeira für einen
Kampf der Begriff Spiel verwendet wird. Eine Roda
ist besonders beeinflusst von der archaischen Wucht, die der Capoeira
innewohnt.
KARNEVAL
Der Karneval in
Salvador da Bahia ist vor dem Karneval in Rio der größte
Straßenkarneval der Welt und dauert sechs Tage und sechs
Nächte. Am Donnerstagabend vor Aschermittwoch beginnt das
Fest in der Karnevalshochburg Brasiliens, für das mit Bahia:
maior explosão de alegria (Bahia, der größte
Ausbruch der Freude) geworben wird. Der Bürgermeister übergibt
den Stadtschlüssel an den dicken Rei Momo, den Karnevalskönig.
Dann strömen anderthalb Millionen Menschen durch die Straßen
bis zum Aschermittwoch. 19 Kilometer Straße werden
für den Hauptzug entlang der Uferpromenade und durch die
Innenstadt abgesperrt. Große Laster mit Lautsprecherboxen
(so genannte Trios elétricos) in der Größe
eines Containers fahren durch die Stadt, obenauf ist die Bühne
einer Musikgruppe, deren Fans im Strom durch die Straßen
tanzen. Viele bekannte Musiker aus Salvador beteiligen sich, darunter
auch Olodum, Daniela Mercury, Timbalada und Ivete Sangalo.
Ein zweiter Zug
wälzt sich durch die engen Gassen des Altstadtviertels Pelourinho.
Da die wenigsten Menschen kostümiert sind, fallen die Blocos
de trio (Vereine der hellhäutigen weißen Oberschicht)
mit jeweils einigen tausend Mitgliedern besonders auf.
By Drielle