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Zwar werden im Handel sehr viele Miniaturbäumchen unter dem Namen
"Bonsai" angeboten, doch die Kleinheit allein macht noch
keinen Bonsai. Nach asiatischer Tradition versteht man hierunter einen
kleinen, alten, von Menschenhand gestalteten Baum, der mit dem Gefäss,
das ihn beherbergt, eine Einheit bildet. Mit Hilfe bestimmter Gestaltungsmassnahmen,
wie zum Beispiel einem gezielten Rückschnitt der Äste, erhält
man Baumminiaturen, die in ihrem Erscheinungsbild an besonders beeindruckende
Baumriesen erinnern.
In China wirde die Kunst, Bäume in Miniaturform zu gestalten,
"Penjin" genannt. Und obwohl die ersten Bonsai von Chinesen
gestaltet wurden, stammt das, was wir über Bonsai wissen, in
der Regel aus Japan. So finden sich die japanischen Stilarten in den
Arbeiten der meisten europäischen Bonsai-Gestalter wieder, Bonsai-Anfängern
dienen sie sogar als wichtigste Gestaltungshilfe.
Das Arbeiten mit Bonsai kann wie das Malen, Bildhauen oder Gedichteschreiben
zur Kunst werden, wenn der Gestalter das rein Handwerkliche perfektioniert
hat und seine kreativen Fähigkeiten entsprechend gereift sind.
Im Unterschied zu anderen Kunstwerken bleibt ein Bonsai jedoch immer
in Entwicklung und kann nie vollendet werden.
Der Aufbau eines Bonsai
Gefäss, Pflanze und eventuelles Beiwerk müssen eine Einheit
bilden. Um ein optimales Bild zu erhalten und über die Qualität
der Pflanze urteilen zu können, wird ein Bonsai in verschiedene
Elemente - von der Pflanzenschale bis zu seinen Früchten - gegliedert.
Die Bonsai-Schale sollte mit dem Baum eine harmonische Einheit bilden.
Das heisst, dass zum Beispiel die Grösse des Gefässes mit
der Grösse der Baumkrone harmonieren muss, die Form der Schale
zur Baumform passen soll und die Glasur nicht zu auffällig sein
darf. Ein paar einfache Regeln erleichtern die Auswahl:
-Seine endgültige Schale erhält der Bonsai erst, wenn er weitestgehend
ausgereift ist. Bäume, die sich noch im Anfangsstatium befinden,
werden in eine verhältnismässige grosse und möglichst
einfache Schale gepflanzt. Hier entwickelt sich der Baum schneller.
-Bei einem gut entwickelten Bonsai sollte die Höhe der Schale
mit der Dicke des Stammfusses übereinstimmen. Eine Ausnahme machen
hier die sogenannten Kaskaden-Formen, die immer in besonders hohen Schalen
stehen.
-Die Schalenbreite wird so gewählt, dass der Schalenrand in etwa
mit dem Kronenrand abschliesst. Auch soll die Schale nicht breiter alse
der Baum hoch sein, ideal ist ein Verhältnis von Schalenbreite
zu Baumhöhe von 2:3 oder umgekehrt.
-Farbe und Muster der Glasur sollten im Baum wiederkehren oder die
Farben des Baumes harmonisch ergänzen.
-Zu einem Baum mit weichen Formen wählt man eine runde Schale,
zu einem Baum mit strengen Formen eine rechteckige.
Die japanischen Stilarten
Ein Bonsai soll aussehen wie ein alter Baum - allerdings in Miniaturform.
Seine kleine Form ist leicht durch regelmässiges Zurückschneiden
zu erreichen, der Pflanze dabei das Erscheinungsbild eines alten Baumes
beizubringen, ist ungleich schwieriger. Soll dies gelingen, müssen
die Wuchsformen alter Bäume in der Natur studiert und ihre Eigenarten
festgehalten werden. Die Japaner betrieben diese Studien über Jahrhunderte
und entwickelten dabei die so ganannten Stilarten, eine Einteilung der
verschiedenen Wuchsformen in Gruppen, denen bestimmte Kriterien eigen
sind. |