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Es gehört sich nicht, in der Öffentlichkeit
ein Taschentuch zu benutzen. Lautstark die Nase hochzuziehen
dagegen lässt jeden wissen, man habe alles unter Kontrolle.
Ebenso schlurft man beim Laufen kräftig, denn das erspart
einem im Ernstfall die Frage, ob man mal eben irgendwo vorbeigelassen
würde, denn man wurde schon längst gehört.
Die Aussage, daß Japaner beim Essen grundsätzlich schlürfen
und andere laute Geräusche verursachen, ist üble Nachrede.
Nur Nudeln muß man laut schlürfend aus der Suppe ansaugen,
da sie sonst nicht ihr volles Aroma entfalten. Wer es einmal selber
probiert hat, weiß wieviel Freude dies machen kann. Seine Eßstäbchen
darf man nicht senkrecht in das Essen z.B. in sein Reisschälchen
stecken, da auf diese Art nach einem buddhistischen Brauch den Toten
ihr Essen gereicht wird. Ebenso reicht man nichts von seinen Stäbchen
auf die eines Tischnachbarn, denn nach einem anderen buddhistischen
Begräbnis-Ritual werden so die Knochen aus der Asche des Verstorbenen
den Hinterbliebenen mit Stäbchen gereicht. In Gesellschaft sagt
man vor dem Essen"itadakimasu" (wörtlich: ich werde bekommen)
und nach dem Essen "gochisosama deshita" (war schmackhaft
und sättigend). Nach dem Essen bricht gewöhnlich ein Streit
darüber aus, wer die Rechnung bezahlen darf. Die Höflichkeit
gebietet es, daß man zumindest einmal den Versuch unternimmt,
in den Genuß dieses Privilegs zu gelangen. Sehr schnell mußte
ich aber lernen, daß japanische Studenten oftmals nicht die bei
diesem Streit erforderliche Härte zeigen und viel zu zeitig nachgeben.
Beim Bier, Wein- oder Sake-Trinken, schenkt man immer nur den anderen
ein und wartet geduldig, bis ein anderer einem das Glas füllt.
Wenn eine höhergestellte Persönlichkeit einem Untergebenen
das Glas füllt, so gebietet es die Höflichkeit, daß
dieser es in einem Zuge leert.
Speisen mit der Ogasawara-Familie
Ausländer, die Japan besuchen, sind oft von den vorherrschenden
Tischsitten verwirrt. Man ist sich nicht sicher, wie man denn nun die
Stäbchen (o hashi) benutzt, die Reisschüssel hält oder
mit welcher Speise man beginnt. Allerdings wissen vieles heute auch
Japaner nicht mehr. Mit der Einführung westlicher Eßgewohnheiten
geht viel Traditionelles verloren und wird schlicht vergessen. Die grundlegenden
Tischsitten unterscheiden sich natürlich nicht zwischen der westlichen
und japanischen Welt. Jenseits dieser grundlegenden Dinge allerdings
gehen die zwei Kulturen oft weit auseinander.
Viele sehen einen Grund darin, daß Japan in erster Linie
eine landwirtschaftliche Gesellschaft war, im Gegensatz zu den
Jagdkulturen von Europa. Außerdem war es mit einer großen
Vielfalt an Nahrungsquellen gesegnet geworden. Die Kochkunst
hat sich schon in sehr alten Zeiten entwickelt und Tischsitten
wurden schon in Dokumenten aus der Heian-Periode (794-1191) beschrieben.
Im 14. Jahrhundert galten die Regeln der Ogasawara-Schule als
die geltenden Tischsitten.
Jede Diskussion der japanischen Tischsitten muß mit den
Stäbchen beginnen, ein einfaches aber überraschenderweise
vielseitiges Utensil. Diese werden nicht nur in Japan, sondern
auch in Korea, China und Vietnam benutzt, dort allerdings zusammen
mit einem Löffel. Aufgrund der Bedeutung, die die Stäbchen
für die japanische Kultur haben, knüpfen sich an sie
sehr viele präzise Regeln. Im folgenden wollen wir ihnen
einiges Grundlegendes darstellen.
Nimmt man die Stäbchen zum Essen auf, so folgt man am besten
folgendem Schema, das sieht nicht nur elegant aus, sondern entspricht
auch den Benimm-dich-Regeln der alten Ogasawara-Schule.
Man ergreift die Stäbchen mit der rechten Hand und hebt sie auf
Höhe des Brustkorbes an. Dann unterstützt man sie von unten
mit der linken Hand und schiebt die rechte Hand nach rechts und dreht
sie so, daß sie die Stäbchen von unten her umfaßt.
Bevor man mit der linken Hand losläßt, korrigiert man die
Position der rechten Hand so, daß man die Stäbchen bequem
halten kann.
Beim Benutzen der Stäbchen dient Stäbchen 1 nur zur
Unterstützung, es wird nicht bewegt. Man positioniert es
zwischen Mittel- und Ringfinger. Stäbchen 2 wird zwischen
Mittel- und Zeigefinger fixiert und mit dem Daumen bewegt.
Ähnlich wie beim Essen mit Messer und Gabel sollte man folgendes
unterlassen:
· mit den Stäbchen irgend etwas aufzuspießen (auch
wenn dies manch Hungrigem noch so verlockend erscheinen sollte)
· mit den Stäbchen in der Hand eine Schale oder ein anderes
Geschirrteil aufnehmen
· Speisen von einer Schale (oder Teller) in eine andere
zu befördern
· mit den Stäbchen Schalen oder dgl. auf dem Tisch verschieben
· mit den Händen gestikulieren und dabei mit den Stäbchen
auf jemanden weisen

Bezüglich des richtigen Weges, mit Stäbchen zu essen, sagt
ein Ogasawara-Familien-Dokument aus: "Es ist mißbräuchlich,
die Stäbchen bis zu einer Höhe von mehr als drei Zentimetern
zu benutzen." Wenn man die Stäbchen nicht benutzt, legt
man sie auf seinem Stäbchenhalter ab. Wenn man keinen solchen
hat, kann man sie auch auf dem Rand des Tabletts ablegen. Alternativ
dazu kann man sich aus dem Papier, in dem die Stäbchen serviert
wurden, auch einen kleinen V-förmigen Halter basteln. Nach dem
Essen, gibt man die Stäbchen wieder in die Papierhülle zurück.
Was man vielleicht noch wissen sollte, ist die Frage, wie man den Deckel
von der Schale mit der Miso-Suppe entfernt. Macht man dies richtig,
kann man einen guten Eindruck hinterlassen. Als erstes hält man
die Schüssel mit der linken Hand und drückt sie kurz unter
dem Deckel leicht zusammen. Dadurch läßt sich der meist durch
einen Wasserfilm fest angesaugte Deckel leichter mit der rechten Hand
anheben. Man gibt das Wasser unter dem Deckel in die Schale zurück
und legt ihn mit der Oberseite nach unten auf den Tisch, rechts vom
Tablett.
In den meisten Restaurants ist es üblich. daß man vor dem
Essen einen "oshibori" bekommt, ein manchmal sehr heißes
und immer nasses Tuch, mit dem man sich reinigen kann.
Was ist die richtige Form der Begrüßung?
Es gehört heute zur Allgemeinbildung, daß es in Japan
üblich ist, sich als Begrüßung zu verbeugen.
Diese japanische Verbeugung an jedem Ort und zu jeder Zeit ist
oft eine Quelle der Belustigung für viele Ausländer.
Während Abendländer typischerweise einen Händedruck
anbieten, wenn sie Wärme oder Aufrichtigkeit zeigen wollen,
ist es japanische Art, sich von der Taille herab in einer Geste
von stiller Achtung zu verbeugen. Ohne ein Wort, kann eine Verbeugung
eine Begrüßung, ein "Auf Wiedersehen" oder
einen Ausdruck von Dank darstellen. Die Form der Verbeugung,
die von den Traditionen der Kriegerkaste (samurai) herrührt,
leitet sich von der Art der Verbeugung ab, die man ausführt,
wenn man auf einer Tatami sitzt. Es gibt zahlreiche Nuancen der
Verbeugung, die davon abhängen, zu welchen Umständen
sie ausgeführt werden. Zum Beispiel hängt die richtige
Tiefe der Verbeugung von der entgegenzubringenden Achtung und
dem Geschlecht des Gegenüber ab.
Auf einer Tatami sitzend beugen Sie Ihren Oberkörper gerade nach
vorn und halten den Rücken dabei gestreckt, die Arme in natürlicher
Haltung nach vorn und die Spitzen der Finger treffen sich auf dem
Fußboden in einem Abstand von etwa 10 cm. Die Verbeugung wird
so tief ausgeführt, daß der Kopf ca. zwanzig Zentimeter
vom Fußboden entfernt ist. Dies ist eine Verbeugung, die in
den meisten Fällen angebracht ist. Man sollte immer beachten,
daß die Taille sozusagen der Drehpunkt ist und der Oberkörper
gerade wie ein Brett gehalten wird. Wichtig ist auch die Atmung, eine
Methode ist "reisansoke" (drei Atemzüge). So sollte
man einatmen während des Herunterbeugens, dann ausatmen und wieder
einatmen wenn man sich aufrichtet. Angeblich wird die Verbeugung nur
mit der richtigen Atemtechnik in der richtigen Art und Weise und vor
allem Eleganz ausgeführt. Die stehend ausgeführte Verbeugung
wird in drei Kategorien unterteilt: die leichte Verbeugung, die normale
und die höflichste Verbeugung. Der einzig bedeutende Unterschied
ist der Winkel, der mit der dem Gegenüber entgegengebrachten
Achtung größer wird. In den meisten Fällen ist eine
Verbeugung von 45 Grad die richtige Wahl. Mit 15 Grad verbeugt man
sich nur vor Personen mit denen man sehr vertraut ist, wie Familienangehörigen
oder guten Freunden. Eine 90 Grad-Verbeugung ist zeremoniellen Angelegenheiten
wie einem Besuch in einem Schrein oder buddhistischen Tempel vorbehalten.Bei
einer Verbeugung lassen Sie Ihre Hände am besten natürlich
herabhängen. Das ganze nicht verkrampft, sondern möglichst
locker und natürlich und während der Verbeugung bilden Kopf
und Rücken eine gerade Linee - so einfach ist das. Bedenken Sie
immer - in Japan gilt: "wahre Achtung beginnt mit der Geste ..."
Zu Besuch im japanischen Haus - und nun ... ?
In einem Vorraum zieht man sich seine Schuhe aus und bekommt vom Gastgeber
ein paar Hauslatschen. Beim Wechseln der Schuhe sollte man seinem
Gastgeber niemals den Rücken zukehren (keine Sicherheitsmaßnahme,
nur eine Frage der Höflichkeit). Für den Toilettengang stehen
fast immer auch extra Latschen bereit, meistens in leuchtenden Farben,
damit auch jeder sieht, daß man nach dem Toilettenbesuch das
Wechseln vergessen hat. Auch für den Gang in den Garten oder
einen kurzen Spaziergang hält ein japanisches Haus immer extra
Schuhe bereit (geta). Man sitzt auf der tatami (Reismatte) an einem
flachen Tisch auf einem Kissen. Ursprünglich wurde dabei immer
auf den angehockten Beinen gesessen, was die japanische Dame auch
heute noch tut. Nur dem Herrn wird es nachgesehen, wenn er im Schneidersitz
hockt oder die Beine heimlich unter dem Tisch ausstreckt. Es gilt
übrigens als Beleidigung, wenn man seine Beine in Richtung einer
anderen Person ausstreckt.
Warum darf man nicht auf die Kanten der Tatami treten?
Wenn man sich in Japan aufhält, hört man früher oder
später: "Trete nie auf den Rand der Tatami!". Wenn
man dann nach dem Grund fragt, erhält man in den seltensten
Fällen eine erschöpfende Antwort. Vermutlich stammt dies
aus Ashikagas Zeiten, als es noch üblich war, die täglichen
Speisen für Höhergestellte auf kleinen Tischchen zu servieren.
Diese wurden mit den Speisen darauf in den Raum getragen. Damit
nun die Bediensteten dabei nicht "auf das Essen ausatmen",
trug man die Tischchen in Augenhöhe. Dies machte es allerdings
unmöglich, sich im Raum zu bewegen, es sei denn, man orientiert
sich an den Tatami. Männliche Bedienstete gingen immer 3 Schritte
und weibliche 5 Schritte auf einer Tatami, man trat dabei nicht
auf die Ränder der Tatami.Eine andere Erklärung ist die,
daß es zu diesen Zeiten in den Räumen, die von Personen
in unterschiedlichen Rängen benutzt wurden, auch unterschiedliche
Tatami für die höheren und niederen Ränge gab. Da
es verboten war, Tatamis die nicht für den eigenen Rang vorgesehen
waren, zu betreten, konnte man natürlich auch nie auf den Rand
treten.
Von der Kunst eine Tür zu öffnen ...
Ein wichtiger Teil der japanischen Etikette, die man (vielleicht)
wissen sollte, ist der richtige Weg, ein fusuma (japanische Schiebetür)
aufzumachen und zu schließen. Dieser besteht aus drei Schritten:
Man sitzt im formellen Style vor dem fusuma und öffnet die
Tür gerade soweit, um mit der Hand zwischen Tür und Rahmen
greifen zu können. Dann schiebt man mit der linken Hand die
Tür weiter auf und faßt dazu etwa 30 cm vom Fußboden
entfernt zu. Vollständig aufgeschoben wird die Tür dann
mit der rechten Hand. Man mag sich fragen, wie sich solch eine recht
komplizierte Prozedur zum Öffnen einer einfachen Tür entwickeln
konnte. Wenn man aber bedenkt, daß in Japan immer alles sehr
beengt zugeht, die meisten nur über wenig Privat- oder Intimsphäre
verfügen, dann gibt die Methode eine Tür langsam in mehreren
Schritten zu öffnen den Bewohnern des Raumes die Möglichkeit,
sich darauf einzustellen. Natürlich öffnet heute kaum
noch jemand auf diese Art und Weise eine Schiebetür, dies ist
traditionellen formalen Angelegenheiten, wie einer Teezeremonie
vorbehalten.
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